Wir sind VIZEWELTMEISTER
Die Weltmeisterschaft in Enoshima (Japan) stellte unseren diesjährigen Saisonhöhepunkt dar. Wie im letzten Bericht beschrieben, reisten wir vom Sailing Grand Slam im Olympiarevier Los Angeles weiter nach Japan, um uns auf die Weltmeisterschaft vorzubereiten. Nach einigen Tagen Pause, um uns an die sehr humiden und heißen Bedingungen zu akklimatisieren und die acht Stunden Zeitverschiebung zu überwinden, packten wir am 3. August unseren Container aus. Dieser hatte eine große Delle, aber wir hatten Glück und alle Schiffe waren ohne Schäden angekommen. Die Tage darauf nutzten wir, um das Revier kennenzulernen. Teile unserer Trainingsgruppe, die zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2021, die in Enoshima stattgefunden hatten, bereits hier trainiert hatten, schwärmten schon vor der Anreise vom Revier. Hohe Wellen und oftmals eine gute Seabreeze waren ihnen in Erinnerung geblieben. Aber auch teils sehr starke Strömung und das hohe Risiko von Taifunen sind in dieser Region der Welt typisch. Und so zog tatsächlich der erste große Taifun während des Trainings vorbei, von dem wir aber nichts weiter als eine sehr hohe und lange Welle zu spüren bekamen. Unsere Trainingstage waren meist von wenig Wind und teils Seebrise, aber auch häufiger von ablandigen Winden geprägt. Unsere Vorbereitung lief sehr gut ab. Jeder Trainingstag konnte produktiv genutzt werden und es gab keine Ausfälle. Auch die Vermessung verlief reibungslos, sodass sowohl das Boot als auch wir bereit waren, in die Regatta zu starten. Wir fühlten uns trotz der schon langen Zeit weg von zuhause fit und frisch im Kopf. In der Nacht zum ersten Regattatag zog dann ein tropischer Sturm über Tokio, der viel Regen und eine Störung im Windsystem brachte. So warteten wir am ersten Tag einige Stunden auf dem Wasser, aber der Wind war nicht konstant genug. Außer einigen Startversuchen schafften wir nichts und fuhren unverrichteter Dinge wieder an Land zurück. An Tag 2 starteten wir sehr früh, um den ablandigen Nordostwind zu nutzen. Dieser sollte sehr drehend und böig sein, reichte aber für drei Wettfahrten. Wir hatten einen ordentlichen Einstieg in die Regatta und konnten unseren ersten Rennsieg einfahren.
An Tag 3 waren nur zwei Wettfahrten vorgesehen, um die Qualifying Series zu beenden. Wir hatten wieder einen soliden Tag und beendeten ihn auf dem 10. Platz im Gesamtranking. Dieser Platz ist für das neue Format wichtig, da wir diesen Platz als Punkte mit in die Final Series nehmen und diese Punkte nicht streichbar sind. Wir haben auch in den letzten Regatten gelernt, dass im neuen Format die Wettfahrten in der Final Series deutlich wichtiger werden, da insgesamt maximal sieben Finalrennen gefahren werden. Nachdem am ersten Regattatag keine Wettfahrten zustande gekommen waren und uns so nur zwei Tage mit maximal je 3 Rennen im Final Series blieben, war es wirklich wichtig, aus jedem Rennen das Maximum herauszuholen.
Der Wind an Tag 4 war morgens wieder leicht und ablandig, sodass wir ein Rennen segeln konnten. Hiernach ging es zurück an Land, aber die Wettfahrtleitung hoffte auf eine Seebrise am Nachmittag. Letztlich kamen wieder Gewitterwolken durch und wir konnten bei gewittrigen Bedingungen zwei Rennen segeln. Leider wurde der Wind im letzten Rennen des Tages rapide weniger und die Hälfte des Goldfleets schaffte das Zeitlimit nicht, was für die Hälfte des Fleets hohe Punkte (DNF-Did not finish) bedeutete. Glücklicherweise waren wir als Vierte in diesem Rennen schon früh im Ziel und davon nicht betroffen. Am Ende des Tages hatten wir uns auf den 7. Platz vorgearbeitet und uns eine gute Ausgangsposition für den letzten Fleet-Race-Tag geschaffen. Dieser wurde wieder früh morgens gestartet. Wir fuhren zwei ordentliche erste Rennen und hielten vor dem letzten Rennen des Tages Rücksprache mit unserem Coach, um zu sehen, wie die Punkte in Richtung Medal Race aussahen. Da alles noch sehr knapp war, wussten wir, dass es wichtig wäre, in diesem letzten Rennen noch einmal ein paar Punkte aufzuholen, um in einer guten Position in das Medal Race zu starten. Nach einem super Start befanden wir uns im Führungspulk des Fleets und konnten das Rennen schließlich für uns entscheiden. Dies brachte uns auf den 4. Platz vor dem Medal Race. Wir waren ziemlich glücklich, die Hürde des Medal Race nach dieser schwierigen Woche mit wahnsinnig instabilen Winden gemeistert zu haben, auch da wir in den letzten zwei Jahren in 10 von 11 Medal Races gewesen waren, aber genau bei der WM letztes Jahr das Finalrennen um einen Punkt verpasst hatten.
Mit nur acht Punkten auf Spanien auf Platz 2 und zwei Punkten auf Japan auf Platz 3 waren die Punkte nach vorne noch sehr eng. Aber auch Platz 5 und 6 waren mit vier und sechs Punkten Abstand nah an uns dran. Wir wussten, dass es für uns nicht allzu wichtig war, ob wir 4., 5. oder 6. werden sollten, aber eine Platzierung auf dem Podium wäre etwas Besonderes. Mit diesem Mindset gingen wir in das Medal Race. Das erste Rennen lief gut und wir konnten Vierter werden, vor Spanien. Japan gewann das Rennen und hatte somit nach dem Rennen fünf Punkte Vorsprung vor uns. Wir wussten, dass wir weder Spanien auf Platz 2 noch Japan auf Platz 3 kontrollieren konnten, sondern ein bestmögliches Rennen fahren und hoffen mussten, dass es bei den anderen beiden nicht gut läuft.
Leider war dies am Start des Rennens zunächst umgekehrt, da wir einen Kringel drehen mussten und weit hinter dem Feld losfuhren. Spanien und Japan fuhren also vor uns los in Richtung der rechten Seite. Somit war für uns der Weg auf die linke Seite frei und zusätzlich konnten wir dort frischen Wind erkennen. Das sollte sich auszahlen: Wir kamen als Vierte oben an der ersten Tonne an, während Japan und Spanien am Ende des Fleets lagen. Wir konnten unsere Position noch verbessern und waren nach der zweiten Kreuz Zweiter. In diesem Moment realisierten wir, dass Spanien und Japan immer noch auf Platz 9 und 10 lagen und es somit für eine Medaille reichen könnte. Den gesamten letzten Downwind versuchten wir, das Rennen so ruhig wie möglich zu Ende zu Segeln und unsere Position gegen das griechische Boot, das direkt hinter uns war zu verteidigen. Dies gelang uns und dann kam der Moment, an dem wir die Ziellinie überquerten.
Wir wussten, dass uns damit mindestens die Bronzemedaille sicher war. Und da der Spanier niemanden mehr auf dem letzten Downwind einholen konnte, konnten wir diesen noch im Gesamtranking überholen. Das bedeutete: Wir werden Vizeweltmeister! Wir waren sprachlos und lagen uns beide in den Armen. Der erste große Erfolg für uns bei einer Meisterschaft und dann direkt bei der Weltmeisterschaft! Wir feierten auf dem Wasser mit unserem Coach und schleppten dann Richtung Land, wo unser gesamtes deutsches Team auf uns wartete und uns mit Sekt und dem Lied „Bella Napoli“, wie auch unser Boot heißt, empfing. Die Emotionen waren bei allen da und wir waren glücklich, dass unser Team sich so mit uns freuen konnte – auch gerade, da unsere beiden Sparringspartner eine sehr schwierige Woche hinter sich hatten.
Dieser Vizeweltmeister Titel in einer olympischen Bootsklasse nur zwei Jahre vor den Olympischen Spielen stellt einen wichtigen Meilenstein für uns Richtung LA 2028 dar. Dieses Jahr ist das erste Jahr, in dem wir keine Zeiteinbussen im Training mehr aufgrund von Studium hatten (sowohl Christo als auch Thesi sind beide fertig mit ihrem Studium). Außerdem hatten wir dieses Jahr sehr wenig Ausfall aufgrund von Krankheit. Es zeigt dass wir aktuell eine sehr gute Position haben, sowohl für die Qualifikation unserer Nation aber auch die interne Ausscheidung. Wir wissen, dass noch zwei Jahre harte Arbeit vor uns stehen und wir jeden Tag intensiv und akribisch an uns arbeiten müssen, aber wir haben auch gesehen, dass wir dazu fähig sind, Teil der internationalen Weltspitze zu sein.
An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei all unseren langjährigen Förderern und Unterstützern bedanken: dem German Sailing Team, unseren Vereinen DTYC und SCBC, dem Bayerischen Seglerverband, Liros & Zhik, sowie vor allem bei unserem Familien und unseren Freunden für die Unterstützung über all die Jahre und den Glauben an uns. Wir freuen uns schon wahnsinnig darauf unseren Erfolg mit euch zu feiern!
Nun geht es für uns beide erstmal nach Hause zur Erholung und Verarbeitung dieser Woche, bevor wir dann Anfang September nochmal für ein Trainingslager nach Los Angeles fliegen.
Ergebnisse gibt es hier: 2026worlds.470.org/en/default/races/race-resultsall Berichterstattung vom German Sailing Team: www.germansailingteam.de/presse/pressemeldungen/470er-wm-silber-in-japan-theresa-loeffler-und-christopher-hoerr-sind-vizeweltmeister/ Außerdem: segelreporter.com/regatta/470er-wm-silber-im-schlussspurt-theresa-loeffler-und-christopher-hoerr-feiern/
Viele Eindrücke gibt es wie immer auch auf Instagram: www.instagram.com/470team_loeffler.hoerr/ und Facebook.
Beste Grüße, Thesi & Christo






